Chemotagebuch – Tag 178 – 16.11.2016

Entlassungstag.

Leider hat sich mein Zustand wieder etwas verschlechtert, was will mir mein Schicksal wohl damit sagen?

„Ha! Zu früh gefreut!“

Ich weiß es nicht. Tatsache ist jedoch, dass die Ärzte hier mit ihrem Latein erst einmal am Ende sind.

Ich habe jetzt einen Punkt erreicht an dem die weitere Maßnahme jeweils einzig darin besteht die Schmerzmitteldosis zu erhöhen. Gegen die Übelkeit kann man im Grunde auch nichts weiter machen, Magenschoner bekomme ich schon, Tabletten gegen Übelkeit helfen nicht.

Kraft- und konditionstechnisch sieht es sehr gut aus, da habe ich keinerlei Bedenken.

Was mach ich nun mit den Schmerzen? Wie soll es damit weiter gehen?

Eine befriedigende Lösung ist das auf Dauer mit der Schmerzpumpe sicher nicht, zumal man ja das Morphin auch nicht unbegrenzt erhöhen kann.

Ab jetzt kommt es vollkommen auf mich an. Die Ärzteschaft hat an dieser Stelle keine konkreten Pläne. Man gibt sich damit zufrieden die Schmerzen möglichst so zu reduzieren, dass ich beschwerdefrei bin.

Weiterhin bekomme ich nach wie vor Blutverdünner um die schlechte Durchblutung im Darm etwas  zu verbessern. Dazu gibt es wie gesagt 2x täglich den Magenschutz und 2x täglich gibt es noch ein weiteres Schmerzmedikament was sich hauptsächlich um Nervenschmerzen kümmern soll.

Ach ja… Fast vergessen… 3x täglich Novalgin gibt es auch noch.

Wohlgemerkt handelt es sich bei der eben aufgezählten Medikation ausschließlich um Medikamente die ich auf Grund der Nebenwirkungen der Chemo nehmen muss, das möchte ich an der Stelle mal ganz klar festhalten!

Um nicht weiter abzunehmen bekomme ich zu Hause dann auch weiterhin die Flüssigernährung über die Vene, auch diese Maßnahme ist weitestgehend der Tatsache geschuldet, dass ich durch die Nebenwirkungen der Chemo keine oder kaum Nahrung bei mir behalte.

Die Chemo selbst werde ich nun jedoch erstmal pausieren, ich glaube dass mein Körper jetzt gut eine Erholungsphase vertragen kann. Frühestens im Januar wird es dann mit der „Senfgas-Therapie“ weiter gehen. Jedenfalls nach heutigem Stand der Dinge.

Ende November wird es noch einmal Kontrolluntersuchungen geben (Magen-, Darmspiegelung) um zu sehen wie sich das 12-Fingerdarm-Geschwür und die Entzündung entwickelt hat.

Anfang Januar wird man per CT noch einmal  nachsehen was der Tumor in der Zwischenzeit so getrieben hat.

Ist er wieder gewachsen? Ist er auch ohne Chemo weiter geschrumpft? Hat sich vielleicht gar nichts getan? Von dem Ergebnis hängt natürlich auch ab, wie es mit der Chemotherapie weiter geht.

Alles in allem irgendwie keine wirklich zufriedenstellende Situation, rein äußerlich betrachtet.

Ganz so düster sehe ich es allerdings nicht.

Erst einmal freue ich mich riesig endlich wieder bei meiner Familie zu sein. Die 3,5 Wochen hier ohne Familie waren schon echt hart, aus dieser Perspektive betrachtet.

Ich habe in den vergangenen 3,5 Wochen mich gut entwickelt und ich fühle mich gut gewappnet.

Ich habe allerdings auch ganz klar erkannt, dass es nun auf mich ankommt. Ich bin nun dafür verantwortlich wie es weiter geht. Auf die Schulmediziner kann ich mich dabei nicht verlassen…

Es ist nun meine „Pflicht“ in die Selbstverantwortung zu gehen und mich persönlich um meine „Heilung“ zu kümmern.

Das mag sich für Dich jetzt erstmal ein bisschen konfus und geheimnisvoll anhören, allerdings habe ich einen Plan und ganz klare Ziele vor Augen.

Ich bin in der Kraft! Und aus dieser Position heraus wird sich alles weitere ergeben…